"Das Zündholz und die Kerze", "Von der Raupe zum Schmetterling" und "Im Spiegelsaal"  

aus dem Buch "Erfinde Dich neu" von Kurt Tepperwein.

 

"Das Zündholz und die Kerze"

"Es kam der Tag, das sagte das Zündholz zur Kerze: "Ich habe den Auftrag, dich anzuzünden".

"Oh nein", erschrak die Kerze, "nur das nicht"!  "Wenn ich brenne, sind meine Tage gezählt. Niemand wird mehr meine Schönheit bewundern".

Das Zündholz fragte: "Aber willst du denn ein Leben lang kalt und hart bleiben, ohne vorher gelebt zu haben?"

"Aber brennen tut doch weh und zehrt an meinen Kräften", flüsterte die Kerze unsicher und voller Angst.

"Es ist wahr, entgegnete das Zündholz, aber das ist doch das Geheimnis unserer Berufung!"

"Wir sind berufen, Licht zu sein"!

"Was ich tun kann, ist wenig, zünde ich dich aber nicht an, so verpasse ich den Sinn "meines" Lebens".

"Ich bin dafür da, Feuer zu entfachen. Du bist eine Kerze. Du sollst für andere leuchten und Wärme schenken. Alles, was du an Schmerz, Leid und Kraft hingibst, wird verwandelt in Licht.Du gehst nicht verloren, wenn du dich verzehrst. Andere werden dein Feuer weiter tragen. Nur wenn du dich versagst, wirst du sterben".

Da spitzte die Kerze ihrenDoch und sprach voller Erwartung: "Ich bitte dich, zünde mich an!" Denn sie erkannte, auch mit einer kleinen Flamme kann man ein großes Feuer entfachen.

 

 

"Von der Raupe zum Schmetterling"

Wie voller Wunder die Natur ist, enthüllt uns auch die Verwandlung einer scheinbar so hässlichen Raupe, die sich nur mühsam fortbewegen kann, in einen wunderschönen Schmetterling, der leicht beschwingt durch das Leben fliegt. Viele Menschen haben ein solches negatives Selbstbild: Sie sehen nur die Oberfläche, den Schein, ihr Dasein als Raupe und erkennen in sich nicht das Potenzial des Schmetterlings. Wir alle sind wunderschöne Schmetterlinge, die fliegen können. Doch die meisten Menschen bleiben zeit ihres Lebens im Raupendasein verhaftet, weil sie sich selbst nicht entdeckt, nicht gefunden, nicht neu erfunden haben. Um ein Schmetterling werden zu können, muss die Raupe „in sich gehen“, sich mit einem Kokon, einem Schutzpanzer umhüllen. Das Leben im Kokon ist scheinbar schwerer: Die Raupe konnte sich wenigsten noch bewegen, doch im Kokon ist sie zur Bewegungslosigkeit erstarrt. Von der „Vision des Schmetterlings“ ist dieses Wesen im Kokon anscheinend weiter entfernt denn je. Die Raupen–Strukturen lösen sich auf, im Kokon wird alles zu einem diffusen Brei, bevor sich die filigranen Strukturen des Schmetterlings herausbilden können. Nicht eine einzige Zellstruktur der Raupe überlebt, Zelle für Zelle verwandelt sich. Ähnliches vollzieht sich geistig auch bei uns auf dem Weg zu sich Selbst. Ich muss mich für eine Zeit von äußeren Einflüssen abschotten, mich zurückziehen, um mich auf  mich Selbst besinnen zu können. Das hat nichts mit Egoismus zu tun, sondern ist ein notwendiges Zwischenstadium, um „ich Selbst“ werden zu können, mir Flügel wachsen zu lassen. Sobald ich mich mit einem Kokon geschützt habe, können sich meine alten Strukturen, Ego-Strukturen, im Innern auflösen. Um die Metamorphose zum Schmetterling ganz verstehen zu können, müssen wir wissen, dass der Schmetterling den Kokon von innen heraus selbst sprengen muss. Käme jetzt ein „mitleidender Retter“ und würde den noch nicht ganz herausgebildeten Schmetterling von außen aus seinem Kokon befreien wollen, so wäre diese „Hilfe“ in Wahrheit der Tod des Schmetterlings. Wenn er die Kraft noch nicht aufbringen kann, den Kokon selbst zu sprengen, hat er noch nicht die Reife, um fliegen zu können. Viele Menschen leben in diesem Kokon-Dasein und warten auf den Erlöser, ihren Retter (ein Partner zum Beispiel). Doch jeder muss die Kraft in sich selbst finden und sie aufbringen, um über sich hinauswachsen zu können.

 

 

"Im Spiegelsaal" 

Im Shaolin–Tempel gibt es einen Saal mit tausend Spiegeln. Eines Tages kam ein Hund in diesen Saal und sah sich plötzlich umgeben von tausend Hunden. Er knurrte und bellte seine vermeintlichen Gegner an. Und auch die zeigten ihm natürlich tausendfach die Zähne. Daraufhin wurde der Hund fast rasend vor Wut. Und diese Wut schlug ihm tausendfach zurück, sodass er vor Überanstrengung starb. Jahre später kam wieder ein Hund in den Spiegelsaal. Und auch der sah sich von tausend anderen Hunden umgeben. Er freute sich und wedelte mit dem Schwanz und hatte plötzlich tausend Freunde“.

Mit freundlicher Unterstützung und Genehmigung zur Veröffentlichung von Kurt Tepperwein

Hier nochmals meinen recht herzlichen DANK!

Weitere Informationen zu der besonderen Arbeit von Kurt Tepperwein unter:

www.kurt-tepperwein.de/kurt-tepperwein.html