Zwei ganz besondere Witze von Dr. Eckart von Hirschhausen

aus dem Buch: "Glück kommt selten allein"/ Rowohlt Verlag 

 

 

Keine Angst vor dem Offensichtlichen:

Holmes und Watson gehen zelten. Mitten in der Nacht wacht Holmes auf, schaut sich um und rüttelt Watson.

„Watson, blicken Sie nach oben und sagen Sie mir, was Sie dort sehen!“

„Ich sehe zahllose Sterne“.

„Und was schließen Sie daraus, Watson?“

„Nun, nach dem Stand der Sterne ist es etwa Viertel nach vier. Nach der Klarheit des Himmels wird es morgen ein schöner Tag, und als Philosoph denke ich, wie klein und unbedeutend wir im Verhältnis zum Weltall sind“.

„Und was schließen Sie daraus, Holmes?“

„Jemand hat unser Zelt geklaut!“

 

 

Ein Mann geht frühmorgens im Nebel auf`s Eis, um zu angeln. Er will gerade ein Loch hacken, da hört er eine tiefe Stimme von oben:„Hier gibt es keine Fische!“ Er wundert sich, denkt, er habe nur geträumt, und hackt weiter. Wieder ertönt die Stimme: „Hier gibt es keine Fische!“

Diesmal ist er sich sicher, das war keine Einbildung! Und ganz zaghaft wendet er seinen Kopf gen Himmel und fragt: „Herr, bist du es?“

„Nein“, antwortet die Stimme,„Ich bin der Sprecher des Eisstadions“!

 

 

 

Und nun weiter folgend eine ganz besondere Geschichte von Dr. Eckart von Hirschhausen. 

 

Die Pinguin-Geschichte (aus: «Glück kommt selten allein», S. 355-358/ Rowohlt Verlag)

 

Diese Geschichte ist mir tatsächlich genau so passiert. Vor Jahren wurde ich als Moderator auf einem Kreuzfahrtschiff engagiert. Da denkt jeder: «Tolle Sache.» Das dachte ich auch, bis ich auf

das Schiff kam. Dort merkte ich leider schnell: Ich war, was das Publikum betraf, auf dem falschen Dampfer. Die Gäste hatten sicher einen Sinn für Humor. Ich hab ihn nur in den zwei Wochen

nicht gefunden. Aber noch schlimmer: Seekrankheit kennt keinen Respekt vor der Approbation. Kurz gesagt – ich war auf der Kreuzfahrt kreuzunglücklich.

Endlich, nach drei Tagen auf See, fester norwegischer Boden. Ich ging in den Zoo. Oder besser gesagt: Ich wankte. Im Zoo sah ich einen Pinguin auf seinem Felsen stehen. Ich dachte: «Du hast es

ja auch nicht besser als ich. Immerzu Smoking? Wo ist eigentlich deine Taille? Die Flügel zu klein. Du kannst nicht fliegen. Und vor allem: Hat der Schöpfer bei dir die Knie vergessen?» Mein Urteil

stand fest: Fehlkonstruktion. Dann ging ich eine kleine Treppe hinunter und sah durch eine

Glasscheibe in das Schwimmbecken der Pinguine. Und da sprang «mein» Pinguin ins Wasser, schwamm dicht vor mein Gesicht, schaute mich an, und ich spürte, jetzt hatte er Mitleid mit mir. Er

war in seinem Element. Boh ey. Ohne Worte.

 

Ich habe es nachgelesen: Ein Pinguin ist zehnmal windschnittiger als ein Porsche! Mit der Energie aus einem Liter Benzin käme er über 2500 km weit! Pinguine sind hervorragend geeignet, zu schwimmen, zu jagen, zu spielen – und im Wasser viel Spaß zu haben. Sie sind besser als alles, was Menschen jemals gebaut haben. Und ich dachte: Fehlkonstruktion!

Das Ultraschallbild beweist:

Der Pinguin erinnert mich an zwei Dinge: erstens, wie schnell ich Urteile fälle, nachdem ich jemanden in nur einer Situation gesehen habe, und wie ich damit komplett danebenliegen kann. Und

zweitens: wie wichtig das Umfeld ist, damit das, was man gut kann, überhaupt zum Tragen kommt, zum Vorschein und zum Strahlen. Menschen haben die Tendenz, sich an allem festzubeißen,

was sie nicht können, was ihnen Angst macht. Das kann man machen, aber es ist nicht sinnvoll. Wir alle haben unsere Stärken und unsere Schwächen. Viele unternehmen große Anstrengungen,

um ihre Macken auszubügeln. «Verbessert» man seine Schwächen, wird man eventuell mittelmäßig. Stärkt man hingegen seine Stärken, wird man einzigartig. Wenn wir immer wieder denken: «Ich wäre gerne so wie die anderen», kleiner Tipp: «Andere gibt es schon genug!» Viel sinnvoller, als sich mit Gewalt an die Umgebung anzupassen, ist, das Umfeld zu wechseln.

 

Menschen ändern sich nur selten komplett und von Grund auf. Salopp formuliert: Wer als Pinguin geboren wurde, wird auch nach sieben Jahren Therapie und Selbsterfahrung in diesem Leben

keine Giraffe werden. Sich für die Suche nach den eigenen Stärken um Hilfe zu bemühen, ist kein Zeichen von Schwäche, sondern von Intelligenz. Ein guter Therapeut wird wie ein guter Freund oder eine gute Freundin nicht lange fragen:

Warum hättest du gerne so einen langen Hals? Sondern: Was willst du? Was macht dir Freude? Wann geht dein Herz auf? Wann haben andere mit dir Freude? Was ist dein Beitrag? Wofür brennst du,

ohne auszubrennen?

Und wenn du merkst, du bist ein Pinguin, schau dich um, wo du bist. Wenn du feststellst, dass du dich schon länger in der Wüste aufhältst, liegt es nicht nur an dir, wenn es nicht «flutscht». Alles, was es braucht, sind kleine Schritte in die Richtung deines Elements. Finde dein Wasser. Und dann heißt es: Spring ins Kalte! Und schwimm! Und du weißt, wie es ist, in deinem Element zu sein. Pinguin geboren,

schon vor der Geburt.

In diesem Sinne: Viel Glück!

Mein Pinguin grüßt Ihren Pinguin und wünscht

Ihnen viel Zeit in Ihrem Element!

 

Ich bin sehr dankbar, weil ich inzwischen mein Element kenne: am besten live auf der Bühne mit echtem Publikum. Ich war auch sehr gerne Arzt. Ich habe jeden Tag meiner Ausbildung und später

in der Klinik genossen, und ich habe hohen Respekt vor allen Menschen, die in der Medizin, in der Forschung und Pflege ihren Dienst tun. Ich bin auch nicht weg von etwas gegangen, sondern

hin zu etwas anderem. Ich habe meinen Radius verändert. Eine meiner Schwächen ist, dass ich ein kreativer Chaot bin. Das ist in der Klinik ungünstig. Eine meiner Stärken ist, beim freien Formulieren

auf neue Ideen zu kommen. Auch das ist im Krankenhaus nicht immer hilfreich, gerade beim Diktieren von Arztbriefen. Mit anderen Worten: Ich nutze heute auf der Bühne mehr von meinen Stärken, und meine Schwächen fallen weniger ins Gewicht. Viel von dem, was ich in diesem Buch oder auf der Bühne erzähle, hätte ich in einer therapeutischen Situation in der Klinik auch gesagt. Nur jedem einzeln. Und weil ich eher ungeduldig bin, bin ich sehr dankbar, dass mir nun viele gleichzeitig zuhören. Jeden Abend, an dem ich zu 2000 Leuten spreche, erreiche ich so viele Menschen wie in Einzelgesprächen in acht Jahren Klinikzeit. Immer wieder werde ich gefragt: Warum sind Sie nicht Arzt geblieben? Das ist die Antwort. Ich bin es, nur auf eine andere Art und Weise.

 

PS:

Wie jede poetische Geschichte spart auch meine die kritischen Alltagsdinge aus, allen voran Fortpflanzung und Verdauung. Pinguine müssen immer als das Paradebeispiel für gelungene

Monogamie herhalten. Aber mal ehrlich: Wenn alle gleich aussehen, ist es auch nicht besonders schwer, bei einem Partner zu bleiben! Das spart ’ne Menge Energie! Sex gibt es übrigens bei

Pinguinen nur einmal im Jahr. Wen wundert’s, bei der Kälte!

Und um komplett mit der Romantik zu brechen: Wieso macht sich ein Pinguin nicht auf die eigenen Füße? Die Antwort steht im Fachblatt «Polar Biology»: «Pressures Produced When Penguins

Pooh.» Frei übersetzt: Enddarmdruck am Ende der Welt. Aktuelle Forschung: Der Pinguin-Pooh bahnt sich mit einem Druck wie in einem Autoreifen den Weg in die Freiheit, der Pinguin stellt sich

dazu auf die Hinterbeine, und seine schärfste Kurzstreckenwaffe fliegt waagerecht bis zu 40 Zentimeter weit! So kann er im warmen Nest bleiben, ohne dass es schmutzig wird. Die Schöpfung

ist und bleibt großartig. Wenn schon der Pinguin selbst nicht mehr fliegen kann, so gewährt die großmütige Mutter Natur dieses Privileg immerhin seinen Ausscheidungen!

 

Mit freundlicher Unterstützung und Genehmigung zur Veröffentlichung von Dr. Eckart von Hirschhausen. 

Hier nochmals meinen recht herzlichen DANK!

Weitere Informationen zu seiner ganz besonderen Arbeit gibt es unter: 

www.hirschhausen.com 

und

www.glueck-kommt-selten-allein.de